Der Silberbaum 01 - Die siebente Tugend by Ebert Sabine

Der Silberbaum 01 - Die siebente Tugend by Ebert Sabine

Autor:Ebert, Sabine [Ebert, Sabine]
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: Knaur eBook
veröffentlicht: 2023-11-02T00:00:00+00:00


Schönheit, Elend, Hoffnung

Der Anblick des Rundportals aus hellem Sandstein verschlug ihnen allesamt die Sprache – so gewaltig und schön war es.

Auf beiden Seiten zogen sofort neun perfekt symmetrisch in die Tiefe des Raums versetzte Nischen den Blick auf sich. Darin wechselten sich Skulpturen auf Sockeln mit herrlich verzierten Säulen ab und erfüllten den Kirchgänger schon vor dem Betreten des Gotteshauses mit Staunen und Ehrfurcht.

Die auf den Kapitellen aufgesetzten Halbbogen griffen das Muster wieder auf: abwechselnd biblische Gestalten und prächtige Ornamente.

Strahlen der tiefstehenden Herbstsonne ließen die Konturen der Verzierungen und Figuren noch klarer hervortreten.

Dennoch mussten die Betrachter den Kopf in den Nacken legen, um die hoch über ihnen schwebenden Details zu erkennen. Welch erhabenes Gefühl musste das erst für Menschen sein, die aus Dörfern kamen, in denen nur niedrige, windschiefe Katen standen?

Im Halbkreis über der Tür, durch welche die Gläubigen das Gotteshaus betraten, prangte ein filigran in Stein gehauenes Bildnis der gekrönten Maria mit dem Kinde, umgeben von den Heiligen Drei Königen auf der linken Seite, dem Erzengel Gabriel und Joseph auf der anderen.

»Ich kann mich nicht entsinnen, diesseits der Alpen schon etwas so Prächtiges gesehen zu haben!«, brachte Thomas nach langem Schweigen hervor.

Auch Simon war höchst beeindruckt. »Es ist unbeschreiblich schön. Und nun soll es noch vergoldet werden? Oder ist das nur ein Gerücht, eine maßlose Übertreibung?«

Der Messdiener der Kirche hatte die adlige Besuchergruppe kommen sehen und dies gleich seinem Pater berichtet, der hastig aus einer Gasse an der Längsseite der Kirche gelaufen kam. Dort wurden gerade Arme verköstigt, und Pater Mattheus schien tatkräftig mitgewirkt zu haben. Davon kündeten frische Flecken auf seinem Habit und die hölzerne Kelle in seiner Hand, an der noch Breireste klebten. Irritiert sah er auf den Schöpflöffel, gab ihn seinem Gehilfen und beauftragte ihn, weiter bei der Verteilung des Essens zu helfen. Dann konzentrierte er sich ganz auf die Besucher, die andächtig staunend vor dem Portal standen.

Pater Mattheus – in den Dreißigern, schlank und mit einem einfachen Holzkreuz um den Hals – schien ein gütiger Mann zu sein.

»Diese Bewunderung löst es bei jedem aus, der es sieht. Die Baugerüste sind ja noch nicht lange verschwunden«, sagte er vor Glück strahlend. »Für Gott nur das Beste! Wir haben extra Bildhauer aus dem Französischen geholt. Und Gott hat dafür gesorgt, dass das Kunstwerk vom Feuer verschont blieb. Die Ascheflocken und den Ruß wusch der Regen ab.«

Christian, Marek, Milena, Änne und Sophia versuchten inzwischen zu erkennen, welche der Figuren wen darstellte.

»Hier gibt es keine Hölle wie sonst überall, nur Engel, die sich der Menschen erbarmen«, stellte Änne überrascht fest, nachdem sie das halbkreisförmige Marienbild studiert hatte.

»Gut erkannt, meine Tochter«, lobte Pater Mattheus und lächelte. »Der Abt des Klosters Marienzell, Ludeger, wollte es so. Von ihm stammen die Entwürfe. Mir gefällt die Idee.«

»Man kann dieses Kunstwerk stundenlang betrachten und wird immer wieder neue Einzelheiten und Gleichnisse darin finden«, meinte Simon bewundernd, und der Pater nickte erfreut.

»Stimmt es wirklich, dass die ganze Pforte vergoldet werden soll? Das wäre doch … schier unglaublich!«

Der Pater lächelte immer noch und wiederholte: »Für Gott



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